[to arrr or not to arrr]


Wer mich kennt weiß, dass ich hin und wieder gerne unpopuläre Meinungen mit wakeliger Kenntnis der Fakten aber um so größerer Hingabe vertrete. Ich riskiere das mal wieder und freue mich auf eine ausufernde Kommentardiskussion...

Die Musikindustrie ist böse, denn sie möchte Geld verdienen mit einem beliebig vorhandenen Gut, nämlich Musikdateien. Piraten und P2P-Nutzer sind gut, denn sie vertreten die Meinung, dass nur Geld verdienen darf, wer auch tatsächlich etwas herstellt was man anfassen kann und Musik sowieso allen gehört, genau wie Luft und Wasser. Das ist abgefuckter Blödsinn. Musik ist ein Produkt. Dahinter stehen Kosten für Instrumente, Studios, Produzenten und böse Leute in Plattenfirmen, die auch noch was verdienen wollen. Nicht zu vergessen, die eigene Lebenszeit, die alle Beteiligten dabei investieren. Der bauernschlaue Konsument sagt nun "Ich mag euer Produkt, aber ich mag nicht wie ihr es vertreibt. Solange ihr keinen Vertriebsweg gefunden habt, der mir gefällt, benutze ich euer Produkt unentgeltlich und steigere mich solange in eine bescheuerte Das-ist-kein-Diebstahl-weil-ich-es-nicht-anfassen-kann-Grundsatzdiskussion hinein bis ihr aufgebt."
Das ist Erpressung. Und nur weil es viele machen und niemand so richtig juristisch durchblickt macht es das moralisch nicht vertretbar. Der einzige, der darüber zu entscheiden hat, wann, wo und wieviel er für sein Produkt verlangen will, beziehungsweise muss, ist der Musiker selbst. Und auch wenn viele "verhinderte Konsumenten" das nicht einsehen wollen: Der Musiker will Geld mit seiner Musik verdienen. Er ist nicht gezwungen zu einer Plattenfirma zu gehen, die neben seiner Vermarktung auch seine Rechtevertretung übernimmt. Er wählt diesen Weg freiwillig, weil er sich dafür entschieden hat, dass seine Fans diesen Preis für seine Musik bezahlen sollen.



"Aber es gibt Musiker wie Ey Lou Flynn, die stellen ihre Musik kostenlos zu Verfügung, und nur wer möchte, bezahlt auch was dafür. Das ist fair und viel toller als das was die böse Musikindustrie macht!!" retourniert die Weichbrot-statt-Hirn-Fraktion. Natürlich gibt es Musiker, die sich für diesen Weg entschieden haben. Weil sie keinen Plattenvertrag bekommen, nicht massenmarkttauglich sind, aus reinem Idealismus oder wie im genannten Beispiel als Mund-zu-Mund-Experiment. Dann hört aber doch bitte auch einfach nur deren Musik. Nur weil ihr in der Kneipe kostenlose Postkarten mitnehmt klaut ihr doch auch keine beim Schreibwarenhändler. Unterschiedliche Produkte, unterschiedliche Vertriebswege, jeder Konsument darf für sich entscheiden ob er den verlangten Mehrwert akzeptiert oder eben nicht. Würde man dieses Modell auf den Massenmarkt übertragen ginge es den Großen sicherlich immer noch einigermaßen gut, den Kleineren allerdings ziemlich bescheiden. Musiker allgemein würden dann auch nicht mehr von Einkommen leben, sondern von Spenden. Manche besser, manche schlechter. Aber sie wären keine Produzenten mehr, die einen Beitrag leisten, sondern schlicht und ergreifend Bettler.

"Auf meinen iPod passen 1,7 miliarden Songs, die kann ich doch auf gar keinen Fall alle kaufen. Ich muss sie ja klauen." Das ist mit das waghalsigste Argument, das ich jemals in derlei Diskussionen gehört habe. Ich verweise bei meinem nächsten Bankbesuch mit aufgezogener Sturmhaube und Waffe in der Hand auch einfach auf meine riesige Geldbörse. Oder aus einem anderen Blickwinkel betrachtet, nur weil der Konsument ein Produkt als entwertet betrachtet, macht es das noch lange nicht wertlos.



Im Grunde genommen sollte jedem von uns klar sein, dass eine Privatkopie hier und da eigentlich niemandem weh tut. Aber nur weil von Industrieseite panisch eine Null-Toleranz Grenze gefordert wird, eine Diskussion loszutreten in der einige Konsumenten mit unsäglicher Arroganz gegenüber Musikern und Produzenten auftreten, finde ich äußerst zweispältig.

Diese Diskussion ist zudem natürlich prinzipiell auf sämtliche digitalisierten Inhalte anwendbar.

Trackbacks

    Keine Trackbacks

Kommentare

Ansicht der Kommentare: (Linear | Verschachtelt)

  1. Marc schreibt:

    Vollkommene Zustimmung. Es ist toll, wenn Musiker sich dazu entscheiden, ihr Produkt kostenlos (oder fast kostenlos) anzubieten, aber ein allgemeiner Anspruch auf Kostenfreiheit leitet sich daraus noch lange nicht ab.

    Fakt ist, dass die Produzenten einer Ware entscheiden, wie sie sie vertreiben. Sie stecken Geld und Zeit in die Entwicklung und wollen natürlich entsprechende Vergütung dafür. Egal, ob wir von Musik, Filmen, Autos oder Brot reden.

    Wer dieses Prinzip doof findet, darf sich eben keine Musik, keine Filme, keine Autos oder kein Brot kaufen. Eine andere reelle Einflussmöglichkeit hat man als Konsument nicht.

  2. elzoido schreibt:

    "Streams von Radiosendern ins Internet sind sofort zu verbieten! Das ist Enteignung! Hometaping... ääh... Streamripping is killing music!"

    Will sagen: Es ist absolut und völlig legal, entsprechende Streams mitzuschneiden, auch automatisiert. Mit ner durchschnittlich großen 16000-DSL-Leitung hat man mit mehreren Streams parallel auch größere Festplatten recht fix voll. Heult hier jemand? Nicht dass ich wüsste (was mich übrigens schon irgendwie wundert), auch wenn es vom technischen Standpunkt hier kaum einen Unterschied zum "gezielten" Runterladen gewünschter Musik gibt (wobei auch das durch entsprechende Senderauswahl gesteuert werden kann).

    Die sogenannten Raubkopierer sind nicht das Problem, die überzogenen Wertvorstellungen (wobei hier der "Wert" im Diskurs unfairerweise ausschliesslich finanziell gemessen werden soll), die sich an technisch überholten Gegebenheiten orientieren, sind es.

    Die Musikindustrie macht nach wie vor nicht wenig Geld, das hat sich nur die letzten Jahre wegverlagert vom Verkauf der physikalischen Datenträger hin zu Auftritten und Klingeltönen. Und ich habe die Vermutung, dass Angebote wie Amazon MP3 oder iTunes auch nicht unwesentliche Teile des Umsatzes generieren. Interessierte mögen bitte mal schnell http://labs.timesonline.co.uk/blog/2009/11/12/do-music-artists-do-better-in-a-world-with-illegal-file-sharing/ (zumindest die Grafiken, die sind schon recht aussagekräftig)überfliegen und im Zweifelsfall dann auch bitte die kognitive Dissonanz entsprechend anpassen.

  3. Bj schreibt:

    Also zunächst mal (um in deiner gewünschten provokanten Art zu bleiben [was einer zielführenden diskussion eher abträglich ist, aber egal..]) ist das was du schreibst natürlich totaler bullshit. Und: selber weichbrot! Zur Erläuterung:
    Musik gab es schon lange, laaange bevor es sowas wie eine plattenindustrie gab und wird es auch noch mit sicherheit lange, laange nach dem Verschwinden derselbigen ( sollte es dazu kommen) geben, was ich persönlich nicht schade fände. Damit ist eigentlich schon alles gesagt, der rest ist fast selbsterklärend.

    Nur weil es für eine zeit für diesen industriezweig gut möglich war, mit massenhaft produzierter popmusik, gutes geld zu verdienen, heisst das nicht, dass das immer so sein wird und so sein muss. So lange es kein Internet gab, war es ein gutes Geschäft (für ein paar Leute). Dann kam das Internet und die Leute gaben sich die ganzen Lieder einfach so unter der Hand via Datenleitung weiter, die sog. Plattenindustrie und einige ihrer „Künstler“ gingen Pleite und verschwanden.
    Die ganzen gepushten künstlichen Plastikprodukte aufs schnelle Geld ausgelegt verschwanden (gut!!), die guten Musiker mit Herzblut warn sowie so schon immer da und verschwinden dadurch trotzdem nicht (noch besser!). Vielleicht verdienen Sie etwas weniger und der ein oder andere von denen wir auch verschwinden und lieber in einem sicheren Beruf arbeiten, vielleicht seine Musik zum Hobby machen. Was für ein trauriges Schicksaal, die Welt ist halt kein Ponyhof, es bricht mir das Herz, tja ich wäre ja auch soo gerne fussballprofi geworden. Oder hollywood-Schauspieler (schnief..).
    Mit anfassen hat das ganze gar nichts zu tun, sonder damit dass Musik Kunst ist. Künstler waren schon immer arm (leider). Van gogh starb bitterarm und dass sogar obwohl er „was-zum-anfassen“ kreiiert hatte. Ich sage nicht, dass Kunst nichts Wert ist und dass man Sie nicht brauch – im Gegenteil. Ich stelle nur fest, dass Künstler eben nun mal unter den Menschen eine Minderheit sind (sonst wären sie keine Künstler) und dass der Rest, also die Gemeinschaft entscheiden muss, wieviel Geld Sie für Kunst zur Verfügung stellen will und für was für eine Art von Kunst und für welche Künstler, was sich immer (wie soll es anders sein??) am Wohlstand dieser Gesellschaft orientiert. Woher nimmt die Plattenindustrie ihre Legitimation zur Existenz? Sie soll verrecken wenn du mich fragst! (Sorry, mein ich nich so.. ;-)). Im übrigen geht es bei der ganzen Diskussion ja auch v.a. um Popmusik, also nur ein Teil all dessen was man Musik nennt. Was ist mit dem Lied, dass ich unter der Dusche pfeife, was ist mit Volksliedern, die jeder kennt und singt (zugegebenermaßen in D eher weniger verbreitet[Schlaf kindlein, schlaf…]), ist das ein Produkt? Muss heute immer alles nur noch im volkswirtschaftlichen Kontext gesehen werden, muss es immer eine materiellen Wert geben, den es zu beziffern gilt, den man kaufen muss, einen Verkäufer, der profitiert, eine „Dienstleistung“ etc. pipapo?? Fuck you!!
    Eine Unterversorgung der Bevölkerung mit Musik wird es NIE geben. Musik ist halt doch eher etwas wie Luft oder Wasser. Nicht ganz so essentiell, aber doch für die allermeisten nicht wegzudenken aus dem Leben. Die platteindustrie geht pleite?? Ooh, es bricht mir das Herz.

  4. Creedence Clearwater schreibt:

    Ich habe auch noch nie verstanden, wie man über den Punkt, dass Musik zurecht etwas kostet, streiten kann. Sinnvolle Argumente dagegen habe ich noch nie gehört, wie man auch wieder an BJ sieht.
    Das Problem ist doch gar nicht, "dass" an der Musik verschiedene Parteien Geld verdienen wollen, sondern "wie". Und hier gibt es tatsächlich vieles, was man der Plattenindustrie vorwerfen kann. Aber man kann ja nicht einmal etwas schadenfroh sein über die wegbrechenden Umsätze durch illegale Downloads, weil es wie immer die Falschen trifft. Zum einen die Musiker, zum anderen die Konsumenten, sowohl die ehrlichen als auch die Downloader. Mit dem "Turn piracy into profit"-Konzept, das die Plattenindustrie seit einiger Zeit gemeinsam mit Anwälten verfolgen, hat sie die letzten kleinen Reste ihrer Seele an den Teufel verkauft.

  5. elzoido schreibt:

    Ich vermute, als die Verbreitung von Autos begann, haben die Pferdekutscher auch Krokodilstränen geheult, weil die neuen Rahmenbedingungen dafür gesorgt haben, dass ihre Existenzgrundlage etwas angeknackst wurde.

    Es gibt nunmal kein Grundrecht darauf, als Künstler von seiner Kunst leben zu können.

    Ansonsten will ich dem Kommentar von Bj voll und ganz zustimmen.

  6. eisebs schreibt:

    Ich kann da meinem Vorredner nur beipflichten. Nur weil die Argumente des durchschnittlichen Heise-Trolls vollkommen behindert sind, heißt das noch lange nicht, dass es deine nicht auch sind. (So viel zum obligatorischen Diss)
    Musik war früher mal ein Produkt in dem Sinne, dass irgendjemand mit Industriemaschinen die Tonträger herstellen und mit LKWs verteilen musste. Durch die Herstellungskosten sowie durch Größe und Gewicht der Medien war Musik deshalb auch eher "knapp".
    Heute, da Information losgelöst von Datenträgern gespeichert und verarbeitet werden kann, ist Musik vielmehr ein "Produkt" wie etwa ein "Finanzprodukt", und die Rechte daran können nur noch durch diverse künstliche Eingriffe geschützt werden.
    Natürlich kann eine Plattenfirma für dieses "Produkt" jeden beliebigen Preis fordern, so wie man auch eine Million Dollar für eine Dose Hundefutter verlangen kann.
    Es ist aber entscheidend, ob jemand bereit ist, für dieses Produkt diesen Preis zu bezahlen, ob mit oder ohne Piraterie.
    Beispiel I-Phone: Da werden derart viele Spiele angeboten mit frei anspielbaren Demoversionen, dass man Problemlos den ganzen Weg zur Arbeit durchspielen kann, immer nur Demoversionen verschiedener Spiele, ohne am Ende auch nur einen einzigen Cent ausgegeben zu haben.
    Durch dieses Überangebot sinkt der empfundene Wert dieser "Produkte" beträchtlich. Mit Musik ist es ähnlich. Man wird überall dauernd mit derart viel Musik beschallt, dass es einem im Plattenladen so vorkommen muss, als versuche jemand, einem in der Sahara einen Eimer Sand zu verkaufen.
    Weshalb die Leute dann trotzdem MP3s sammeln? Ganz einfach, weil es eben geht.
    Warum nicht die ganzen Charts der 50er bis 90er Jahre im Archiv haben, wenn man eben noch ein paar Gigabyte frei hat? Kostet ja nix.
    Das ist das Umfeld, in dem sich die Plattenindustrie heute zu behaupten hat, willkommen in der digitalen Welt.
    Wenn sie es schaffen, den Leuten trotzdem noch attraktive Angebote zu machen, fein!
    Wenn nicht, dann eben nicht.
    Ich kann es jedenfalls nicht unmoralisch finden, Bits auf meiner Festplatte in die eine oder andere Richtung zu magnetisieren, egal in welcher Menge und Kombination.

  7. Marc schreibt:

    "Es ist aber entscheidend, ob jemand bereit ist, für dieses Produkt diesen Preis zu bezahlen, ob mit oder ohne Piraterie."

    Genau das ist der Punkt. Wer es nicht einsieht, für eine CD Geld zu bezahlen, kauft eben keine. Und wer es nicht einsieht, stattdessen Musik bei iTunes und Konsorten zu kaufen, der lässt das eben auch sein. Der Diebstahl, den man dann begeht, wenn man sich die Musik trotzdem "besorgt", wird dadurch aber nicht weniger illegal.

  8. Bj schreibt:

    "Genau das ist der Punkt. Wer es nicht einsieht, für eine CD Geld zu bezahlen, kauft eben keine."
    - doch! lade ich runter!

    "Und wer es nicht einsieht"
    - das hört sich so erziehrisch an..

    "stattdessen Musik bei iTunes und Konsorten zu kaufen, der lässt das eben auch sein."
    - doch (siehe oben)!

    "Der Diebstahl, den man dann begeht, wenn man sich die Musik trotzdem "besorgt", wird dadurch aber nicht weniger illegal."
    - Diebstahl ist so was blödes juristisches was man immer irgendwie auslegen kann. ICH würde vorschlagen nicht nur das runterladen von musik, sonder auch das HÖREN unter strafe zu stellen, auch vermeintlich unabsichtliches hören! Dazu sollte man schnell auch eine sog. Musikpolizei einführen, die gratis staatliche ohrstöpsel verleiht und deren korrekte anwendung durchsetzt und kontrolliert! juristisch wäre dann noch zu klären ab wann eine musik auch gehört ist, ob beispielsweise das nichtanwendung von vorgeschriebenen ohrstöpseln im beisein von gerade abgespielter musik reicht oder vielleicht das schwingende trommelfell etc. das müsste man eben noch ausarbeiten.
    ich finde in einer demokratie wie der unseren sollte uns diese geringe erhöhung der neuverschuldung eine freie und unabhängige plattenidustrie das wert sein. nur so können wir diesen terror endlich beenden und die menschheit von dieser geißel befreien, dann können die edlen ritter der plattenindustrie uns einfachen profitorientierten menschen endlich wieder helfen in dem sie uns ihre Musik zu fairen preisen verkaufen. amen.


    PS: warum stehst du eigentlich auf der seite der A+Rs?? dass die böse sind haben wir doch schon immer gewusst und der ganze kommerz mann! Peace! ;-)

  9. krustyDC schreibt:

    brrr...Die Kommentare werfen ja Gräben auf. Bitter.
    Mein Hauptargument wurde irgendwie übersehen oder nicht verstanden. Die MUSIKER wollen Geld verdienen. die Musiker benutzen die Plattenindustrie. Die Plattenindustrie ist nichts anderes als ein Großhändler oder ein Supermarkt.

  10. elzoido schreibt:

    *seufz*, nochmal der Link: http://labs.timesonline.co.uk/blog/2009/11/12/do-music-artists-do-better-in-a-world-with-illegal-file-sharing

    Kurzfassung: Die Leute kaufen sich weniger CDs und gehen dafür mehr auf Konzerte.
    Geld für Tonträger kommt in wesentlich geringerem Umfang bei den Musikern an als Geld von Konzerten (was auch nicht unwesentlich am Merchandising hängt).

    Das Geheule derzeit kommt (um in deinem Bild zu bleiben) fast ausschliesslich von den Großhändlern und den Supermärkten, während es den lokalen Bauern immer besser geht.

  11. HodRuZ schreibt:

    Jeder, selbst ein Musiker, will Geld verdienen. Doch die Musikindustrie als Großhändler funktioniert nicht (mehr) so gut wie früher. Die Schuld auf den (abgewanderten, ehemaligen, frustrierten, weniger Geld habenden, Alternativen nutzenden etc.) Kunden schieben, ist da zu einfach, die Ursachen liegen tiefer. Dieser ganze GE-Sch* mit Stakeholderansatz usw., der mittlerweile selbst von Jack selbst vehement bekämpft wird, hat in kurzer Zeit aus nachhaltigen Unternehmungen Wunderkerzen gemacht. Ganzheitliche Konzepte wurden verlacht, den Trümmerhaufen sieht man heute. In Zeiten des Internets hat auch eine Musikindustrie noch einen ganz wichtigen und sicheren Platz, doch sicher ist die Baustelle eine andere als sich, wie und warum auch immer, bei den Musikliebhabern unbeliebt zu machen. Das meiste andere haben meine Vorredner schon erwähnt. Aber wir können gerne mal abendfüllend weiterdiskutieren, dann allerdings mit mehr als Fiätzitronenlimonade.

  12. Ey Lou Flynn schreibt:

    Hmmm... wenn hier schon mein Name gefallen ist und die Diskussion partout nicht abreißt, möchte ich gern folgendes einwerfen:

    "Verschenkt eure Aufnahmen, auf Konzerten und an Merchandise verdient ihr umso mehr" ist eine Idee, die nur für eine kleine Minderheit an Hitparaden-Musikern funktioniert. Für den Rest der Bands (also die übrigen 99,5%) bewegen sich Live-Auftritte im Bereich zwischen Nullrunde und größerer Investition (mit ganz wenigen Ausnahmen).

    "Wer braucht die Plattenindustrie? Musiker mit Herzblut machen ohnehin weiter!"

    Ahhh, Moment!

    Einwand Nr. 1: Die bösen Major-Labels und die Lady GaGas sind die letzten, die uns verloren gehen werden. Auch wenn die Großen am lautesten zetern, sind sie existenziell am wenigsten gefährdet. Nicht die Majors und die Charthits sind untergegangen, dafür aber zahllose kleine Labels, die für musikalische Vielfalt gesorgt und Nischenkünstlern zu Bekanntheit verholfen haben.

    Einwand Nr. 2: Bei iTunes werden Träume gekauft, keine Songs. Wir haben keine musikbegeisterte Kultur, wir haben eine Kultur, die Popmusik liebt. Hätten sich Tokio Hotel an einen Straßenrand gestellt, hätte sich niemand für sie interessiert. Erst die Musikindustrie hat der Band mit wahnsinnigen Investitionen ihr fesselndes Image und ihren Wert verliehen. Millionen Teenagermädchen, die von Konzert zu Konzert reisen, mitfiebern, ohnmächtig werden usw. Niemand interessiert sich für Bands, die keiner kennt. Menschen wollen hören, was andere hören. Sie wollen das Erlebnis, den Glamour, die großen Veranstaltungen und die millionenschweren Images, die nur die großen Labels aufbauen können.

    Klar, im Grunde verachten wir Leute mit gutem Geschmack den ganzen Mainstream-Scheiß sowieso. Aber stimmt das wirklich? Nur noch Bands mit mumpfigem Sound in kleinen, stickigen Hallen, kein bebendes, randvolles Stadion mehr? [oder allgemeiner: Nur noch Arthouse- und Dogma-Filme, keine fetten Blockbuster mehr? Nur noch Dennis und Hans-Georg, die eifrig drauf los bloggen, keine fundierte Berichterstattung, keine Auslandsreportagen mehr?] Wollen wir echt, ECHT, dass die verhasste "Content-Industrie" verschwindet?

    Ganz generell - solche Diskussionen sind immer wieder nett, aber wir stehen vor einer Situation, der ziemlich egal ist, was man von ihr hält, nicht wahr? Filesharing und die zunehmende Tendenz digitaler Inhalte, kostenlos zu sein, beides lässt sich nicht aufhalten. Ich hoffe aber, dass Bands und Musiker in den nächsten Jahren Wege finden, die Aufmerksamkeit, die sie über die Verbreitung ihrer Musik im Internet bekommen, ab einem gewissen Bekanntheitsgrad auch zu Geld machen zu können.

  13. krustyDC schreibt:

    Als mit kostenlosem Ey Lou Zweitalbum Beschenkter und begeisterter Wenn-Hunde-breeeennen-Sopranisten freut mich dieser konstruktive Beitrag doppelt. Danke. Eigentlich dreifach, weil ich überraschend uneingeschränkt zustimmen kann. Und vielleicht sogar vierfach, weil ich weiß, wie schwer es elzoido fallen wird gegen dich zu argumentieren ;-)

  14. elzoido schreibt:

    Nur "kurz" ein paar Einwände zu den Einwänden...

    Erstmal vorweg: Ja, "richtiges" Geld mit Auftritten machen nur die Top-Acts. 100 EYPO pro Karte in nem ausverkauften Stadion kann man vielleicht aufrufen, wenn man Bono oder Mick heisst. Aber wie in einem früheren Kommentar schon angemerkt wurde: Man redet nicht umsonst von der brotlosen Kunst. Es ist weder neu, noch besonders überraschend, dass der absolute Großteil der Künstler nicht von ihrer Kunst leben können. Trotz allem gibt es selbstverständlich Stufen zwischen dem Verhungern und sich eine Gulfstream IV (mit Fernbedienung für das DVD-Surroundsystem!) leisten zu können. Hey, ich mach auch Musik in meiner Freizeit, spiel gelegentlich kleine Gigs und mach das ganz sicher nicht, um den großen Reibach zu veranstalten, auch wenn ich mich über ein gelegentliches Taschengeld und Freibier freue (Schamlose Eigenwerbung: 11. Februar, Jason Princess live im FlicFlac in Mannheim!)

    Zu Einwand 1: Ja, auf die kleinen Labels schau ich auch leicht wehmütig. Aber ich seh nicht, warum die früher dort aufgehobenen Künstler nicht in den mehr oder weniger Selbstvertrieb abwandern können. Man darf hier nämlich auch nicht die Technikentwicklung vergessen: Solche mehr oder weniger Ein-Mann-Projekte wie du es durchziehst, waren vor nicht allzuvielen Jahren schlicht und ergreifend nichtmal ansatzweise vorstellbar. Keine Ahnung, ob du bei deiner Musik wirklich alles von der Aufnahme bis zum Mastering komplett selbst machst, denkbar und vor allem möeglich ist es das heutzutage. Hättest du nem Beatles-Tontechniker in den 60ern von einem aktuellen Notebook mit entsprechender Aufnahmetechnik erzählt, der hätt dich einweisen lassen.

    Und wenn wir dann zur fortschreitenden Aufnahmetechnik dann noch zum Thema "Internet" kommen, landen wir auch bei Einwand 2. Parade-Gegenbeispiel: Die Arctic Monkeys. Eine solche Karriere war auch vor "dem Internet" nicht möeglich. Die Jungs haben kleine Gigs gespielt, ihre Demos dort teilweise verschenkt, nix dagegen gehabt, dass die auch im Interweb weitergegeben werden und haben dann schliesslich schon in Stadien gespielt, noch bevor sie einen Plattenvertrag unterzeichnet haben.

    Jedenfalls finde ich die derzeitige Situation, dass Plattenfirmen wohl durch dubiose Deals mit Arschlo... Tschuldigung, Abmahnanwälten mehr Kohle durch das juristische Verfolgen von Fans machen, als durch Plattenverkäufe, äusserst unbefriedigend. Und das nachdenkfreie DIEBSTAHL-Geschrei, was der krustyDC hier propagiert, find ich im Gesamtkontext auch äusserst unlauter.

  15. krustyDC schreibt:

    Künstler heißen Künstler weil sie sich in der Regel nicht um die Vermarktung kümmern wollen oder können. Willst du ernsthaft jedem vorschreiben, dass er sich selbstvermarkten muss oder nichts verdienen darf?

    Und ist jede Kunst brotlos? Maler müssen ihre Bilder kostenlos jedermann auf Wunsch zur Verfügung stellen? Autoren ihre Manuskripte aushängen? Genau so wurde Musik mit der Schalplatte endlich speicherbar und verkaufsfähig. Ob die Speicherung auf einer Platte, einer Kassette oder als Datei erfolgt ist dabei unerheblich. Wir sehen hoffentlich alle ein, dass man seit jeher für Musik bezahlt hat, und nicht für den reinen Datenträger.

    Dass du von euren ausdrücklich als Hobby klassifizierten Auftritten mit CCR Covers Parallelen ziehst zu Künstlern, die ihr Leben damit verbringen eigene Musik zu komponieren, darin ihre Berufung sehen so wie du im IT-support und davon Leben müssen, das ist einfach herrlich.

    Wie Ey Lou schon sagte, wollen wir nur noch kleine Bands die kleine Gigs spielen, nicht den großen Reibach machen wollen und halt 30 Jahre alte Sachen spielen? Oder sollte man sich irgendeine Möglichkeit überlegen, wie man die CCRs der Jetztzeit bezahlen könnte, damit sie überhaupt komponieren und schreiben können.

    Dieses "mehr Kohle durch Abmahnungen, als" ist auch so ein dämliches Sprichwort geworden, das nicht wahrer wird, wenn man es hundert mal wiederholt. Außerdem hört man erstaunlich selten (nie?), dass wirklich mal ein betroffener Musiker etwas gegen die Verfolgung sagen würde.

    Aber im GRUNDE genommen, sind das alles Nebenkriegsplätze. Es geht darum, dass Musiker mit ihrem Produkt ihren Lebensunterhalt bestreiten können sollten, wenn die Menschen das Produkt besitzen wollen.

  16. elzoido schreibt:

    Ich schreib hier niemandem gar nichts vor. Ich weise lediglich darauf hin, dass es (wie schon immer in der Geschichte der Menschheit) Verdienstmöeglichkeiten gibt, die "gestern" noch funktioniert haben, heute aber nicht mehr (oder nicht mehr in dieser Größe). Pferdekutscher. Schuhputzer. Heizer in der Dampflok. Edelmann. Schelllackplattenverkäufer.

    Und nein, nicht jede Kunst ist brotlos. Die allermeiste ist es aber (ich denk, ich lehn mich mit den bereits geschätzten 99,5% nicht allzuweit aus dem Fenster), war es auch schon immer und wird es auch vermutlich immer sein (wenn wir nicht gerade den Star-Trek-Sozialismus einführen *duck*). Hab aber grade nochmal zur Sicherheit schnell aus dem Fenster geschaut, es scheint, als wär das Leben immernoch kein Ponyhof, schade :-/

    Dass es vor wenigen Jahren das "Besitzen" von Musik ohne Medium schlicht und einfach nicht gab und dass ein solcher Sprung grundsätzlich groß und unumkehrbar ist, kehrst du auch fein unter den Tisch. Ich persönlich habe mir schon immer lieber CDs gekauft, die mir einen Mehrwert boten (bzw. hab von eben davon abhängig gemacht, wie viel ich bereit bin zu bezahlen). Für eine Puschel-CD von DÄ war und bin ich bereit mehr Geld zu bezahlen, als wenn es das selbe Album in der lieblosen Jewel-Box gegeben hätte. In die Richtung gabs ja auch sanfte Versuche der Musikindustrie, nur hab ich das Gefühl, dass das nicht so skaliert, wie man sich das gehofft hatte. Vermutlich Schuld der Raubkopierer.

    Ach ja, und eigentlich müsste man mal was gegen Coverbands tun. Die sind schliesslich auch irgendwie Musikdiebe. Skandal.

    Nochmal gaaaaanz langsam: Es wird nach wie vor kleine Bands geben, es wird nach wie vor mittelgroße Bands geben, es wird nach wie vor Top-Acts und selbstverständlich viele Abstufungen dazwischen geben.

    Die Bands werden auch weiterhin Geld verdienen, teilweise durch andere Einnahmeströme als bisher, teilweise durch die selben. Ich wage zu behaupten, dass sich der Prozentsatz der Musiker, die von ihrer Musik leben können die letzten Jahre nicht signifikant verändert hat (reines Bauchgefühl, ich sehe aber keine Anzeichen für das Gegenteil. Für entsprechende Quellen wäre ich dankbar).

    Und zum Thema "mehr Kohle durch Abmahnungen". Ich halte beispielsweise den Heise-Verlag hier für erfahren im Umgang mit Abmahnanwälten genug, dass Beiträge wie http://www.heise.de/ct/meldung/c-t-magazin-tv-Abmahnen-statt-verkaufen-910804.html schon vorher rechtlich abgesichert haben, um sich nicht juristisch angreifbar (bzw. besiegbar) zu machen. Die Hinweise in die Richtung verdichten sich schon länger, tatsächliche Dokumente liegen aber noch nicht allzulange vor. Googlebare Stichwörter wären hier z.B. Digi Rights Solution, Digi Protect, Logistep oder TextGuard. Wenn du natürlich Quellen, Beweise oder auch nur Theorien hast, die das Gegenteil irgendwie schlüssig herleiten, her damit.

    Ach ja, und dein sogenannter Hauptkriegsschauplatz ist in meinen Augen nach wie vor der Forderung "Ponyhof für alle!!!" gleichzustellen.

  17. krustyDC schreibt:

    Das Argument "Verdienstmöglichkeiten, die heute nicht mehr funktionieren" hängt mir wirklich zum Hals raus, weil es so offensichtlich hinkt.

    Pferdekutscher fahren keine Fahrgäste mehr, Schuhputzer putzen keine Schuhe und Schellackplattenverkäufer verkaufen keine Platten mehr. Musiker spielen aber immer noch Musik und Leute wollen sie immer noch besitzen!

    Im Grunde genommen ist das ziemlich genau wie sich die Schuhe putzen zu lassen und dann wegzurennen. Tja, das Leben ist kein Ponyhof, der Putzer hat schließlich kein Recht darauf von seiner Arbeit leben zu können und du hast schließlich auch nichts geklaut. Du bist so klug. Bäh, mir ist schlecht. Diskussion beendet.

  18. elzoido schreibt:

    Interessant, wie du dir den einen in deinen Augen angreifbaren Punkt raussucht, dort beleidigt die Diskussion für beendet proklamierst und alle anderen Punkte ignorierst.

    Aber gut, zur Klärung:
    Pferdekutscher von früher sind die Taxifahrer von heute. Schuhputzer von früher wurden in der Breite einerseits durch Automaten ersetzt und andererseits davon, dass Schuhe heute nicht mehr das Luxusgut sind, was sie früher mal waren. Schelllackplattenverkäufer von früher sind meinetwegen die iTunes-Programmierer und Marketing-Fuzzis von heute.

    Die erfüllen je im Gesamtkontext eine ähnliche Aufgabe, aber auf andere Art und Weise. Ich sehe nicht, warum Musiker hier ein inhärentes Recht darauf haben sollten, dass das hier anders sein sollten.

    Und wenn der gefühlte Wert von Musik sinkt, dann mögen Raubkopierer hier eventuell ein Symptom sein, aber doch sicher nicht die Ursache.

  19. krustyDC schreibt:

    "Pferdekutscher von früher sind die Taxifahrer von heute."

    Ach?! lol.
    Es geht doch auch überhaupt nicht darum, dass ich sage Musiker sollen weiterhin genau auf die selbe Art und Weise Geld mit ihrer Musik verdienen. Aber sie SOLLEN Geld verdienen. Das ist ihr inhärentes Recht, genauso wie das der Personenbeförderung, um bei deinem Beispiel zu bleiben.

    Du bringst einen riesigen Aufmacher von wegen Musiker verdienen plötzlich mehr mit Konzerten als mit Tonträgern (als Beweis dafür, dass Musik verkaufen überflüssig werden wird), nur um dann später einzuknicken, dass das für einen Großteil der Künstler nicht stimmt. Ganze Absätze und Belege für einen völlig irrelevanten Nebenkriegsschauplatz mit falschem Beweisziel. Aber du verlangst, dass andere das erstmal widerlegen müssen.

    Warum forderst du mich beim Thema Abmahnungen auf, Quellen oder Beweise zur Gegenargumentation vorzulegen, wenn du selbst deinen Punkt nichtmal belegen kannst oder willst? Abmahnanwälte haben geheime Dokumente verbreitet und versprechen eine Gewinnsteigerung? Ja hallo, das ist deren verfickter, seelenloser Job. Wie ist das auch nur annähernd ein Beweis dafür, dass tatsächlich eine Plattenfirma darauf eingegangen ist? Wo bleibt denn der Massenaufschrei, über tausende Abmahnungen? Es gibt keinen. Weil es immer noch meist nur einzelne, medienwirksame statuierte Exempel sind, die bestenfalls zur Abschreckung dienen, aber doch nicht zum Geldverdienen.

    Ich habe auch nie gesagt, dass Liederverkaufen für 1,99 das einzige wahre Distributionsmodell ist. Ich habe gesagt, dass Musik nach wie vor einen WERT hat. Und Raubkopierer sind dabei sicherlich kein Symptom, sondern die Ursache.
    "Warum soll ich etwas für Musik bezahlen und mein Nachbar lädt alles kostenlos?" ist die Frage, die sich Hunderttausende Konsumenten in Deutschland stellen. Und geiz ist schließlich geil und sie sind ja nicht blöd.

    Es geht mir einzig und allein um die Ignoranz und Arroganz, mit der Menschen Künstlern entgegentreten und sagen "wow, geil, super Arbeit geleistet, wahrscheinlich selber ordentlich drauf gelegt, ich wills haben, aber ein Recht darauf etwas dafür zu bekommen, das hast du sicherlich nicht." Ich finds zum kotzen, und ich bin noch nichtmal Künstler :-)

  20. TheKaiser schreibt:

    Es ist der "Job" eines Abmahnanwalts, für Gewinnsteigerungen seiner Kunden zu sorgen? So ist der Anwaltsberuf meiner Meinung nach nicht gedacht. Ein Anwalt sagt (vereinfacht) "ich helf dir, wenn dir Unrecht geschieht", und nicht "ich sorg dafür, daß du dir eine goldene Badewanne kaufen kannst".

  21. krustyDC schreibt:

    Und bei Dämmerung reiten sie alle zusammen auf ihren pinken Ponys zurück ins Märchenschloss...Ich glaube die Diskussion können wir uns wirklich sparen, oder? :-)

  22. TheKaiser schreibt:

    Ich meine das ganz ernsthaft. Eine Handhabe gegen solche Abmahnanwälte wäre wichtig und dringend nötig. Einen Feuerwehrmann, der seine Beruf derart mißversteht, daß den Schlauch weglegt und stattdessen neben dem Feuer Grillwürstchen verkauft, hätte man auch ziemlich schnell am Arsch. Und zwar mit recht.

    Daß sich das allerdings ziemlich weit von der Anfangsdiskussion entfernt, gebe ich gerne zu. Aber da wir hier nicht in drts sind, müssen Abschweifungen doch erlaubt sein ;-)

  23. krustyDC schreibt:

    Ich denke einfach nur, dass darüber kein Diskussionsbedarf besteht :-)

  24. Ey Lou Flynn schreibt:

    Verdammt, das Thema ist viel zu umfangreich. Ich versuch mal, so reinzureden, dass kein Roman draus wird. Geht garantiert in die Hose:

    elzoido - Na klar mach ich alles selbst! Äh, hört man das etwa nicht? ;-) Für mich ist die Situation im Moment tatsächlich ideal, aber nur, weil Musik ein Hobby nebenher ist, genau wie bei Dir.

    Das "Internet-Phänomen" Arctic Monkeys ist aus meiner Sicht ein Mythos. Die britischen Printmedien, Radiostationen und sogar TV-Sender (also DIE Mainstream-Kanäle für Musik-Promotion) haben sich wie Geier auf die Band gestürzt, als sie gerade Momentum hatte. Die Auslandpresse ist auch bald aufgesprungen. Alle waren dermaßen scharf, diese Legende vom Web 2.0-Online-Wunder zu erzählen, dass sie eine sich selbst erfüllende Prophezeiung daraus gemacht haben.

    Jonathan Coulton würde ich als ein passenderes Beispiel für einen erfolgreichen Selfmade-Musiker vorschlagen.

    Gute Labels sind ausgekochte, top vernetzte, effiziente kleine Unternehmen. Wenn sie wegfallen, können Blogs, Twitter, Facebook, Mund-zu-Mund, CDBaby etc. die Lücke nicht füllen. (Online-Distribution ergibt noch nicht Online-Verkauf). Vielleicht ändert sich daran in Zukunft etwas, im Sinne von "Musik findet ihre Hörer", "Qualität setzt sich durch" und so. Ich bin aber skeptisch. Ich kenne zu viele grandiose, ambitionierte Bands, von denen noch nie jemand gehört hat...

    Für keine kleine Band von heute ist Geldverdienen oberste Priorität. Sonst hätten sie ihre Gitarren verkauft und würden versuchen, verbeamtete Lehrer zu werden. Aber ambitioniert Musik zu machen, das ist genau wie ein Haushalt mit 5 Kindern (anstrengend, zeitraubend & teuer) Dazu noch ein Ganztagesjob? Puh, das schlaucht!

    Das heißt nicht, ich hätte etwas gegen Filesharing oder kostenlose digitale Inhalte. Die neuen Möglichkeiten sind grandios! Ich meinte nur, hier sind ein paar ungelöste Probleme. Ohne "gut" oder "schlecht"-Wertung.

    Von der verächtlichen "Ich ZAHL doch nicht, ihr Trottel, seht zu, wo ihr bleibt"-Haltung, die immer mehr zunimmt, halte ich aber auch nichts. Das war ja ein Hauptpunkt aus Krustys Blogeintrag. Wenn sie sich durchsetzt, haben alle Musiker ein echtes Problem. Ich glaube nur, in so einer aufgeheizten Situation waren verhärtete Fronten zu erwarten.

    Aber mal ganz polemisch - Die Musikindustrie zetert gerade wie früher die Kirche: "Doch, die Sonne kreist um die Erde, Galileo ist ein Ketzer" entspricht ziemlich genau "Doch, Bits und Bytes haben ihren Preis, Filesharer sind Diebe". Die neue Realität bedeutet einen Machtverlust, also klammern sie sich verzweifelt an die alte. Das klappt doch nie. Die alten Geschäftsmodelle müssen sich dem Fortschritt anpassen, nicht umgekehrt. Oder was wäre die Alternative?

    Das war nur so dahingeschrieben. Vielleicht ist alles falsch. Ach so, und sorry für Länge und Durcheinander! Bitte als "zerstreutes Genie" fehlinterpretieren, ja? :-D

  25. elzoido schreibt:

    Im Grundsatz stimme ich dir absolut voll und ganz zu.

    Nur noch ein paar kleine Anmerkungen ;-)

    Nochmal zu den Arctic Monkeys: Ja, klar war das irgendwie eine selbsterfüllende Prophezeiung. Man kann nunmal kein Superstar werden, wenn nicht irgendwann mal die Medien[tm](c) auf den Zug aufspringen. Und in dem speziellen Fall mag auch der "erste"-Faktor die Geschichte nochmal ordentlich aufgesext haben. Das alles ändert aber nix dran, dass die Band ohne die Hilfe der Labels nach oben kam.

    Und die absolut-auf-keinen-Fall-gar-nix-bezahlen-Haltung ist für mich persönlich auch nicht der Stiefel. Es gibt nach wie vor einige Bands und Musiker, deren neue Alben und Konzerttickets ich auch weiterhin im Zweifel blind kaufen werde. Andererseits sehe ich aber nicht ein, warum ich Schuldgefühle haben sollte, wenn ich (hauptsächlich aus Jäger-und-Sammler-Gründen) z.B. die Jahrescharts von 1970 bis jetzt auf der Festplatte liegen habe. Es gibt nunmal nicht nur Schwarz (niemals nichts für Musik bezahlen) und Weiss (nichtmal Privatradio hören, ohne voll Stolz die GEZ-Überweisung zu tätigen), sondern auch noch viele Graustufen dazwischen. Und solange mir nicht jemand schlüssig und unvoreingenommen nachweist, dass die ganzen "Grauen" nicht genügend Geld ausgeben, um das ganze Spektakel weiterzutreiben, sehe ich nicht ein, warum man wegen der paar "Schwarzen Schmarotzer" auch die Fans kriminalisieren muss, die zwar einige ihrer gehörten und geliebten Musik gern finanziell unterstützen, aber halt nicht alle.


Kommentar schreiben


Umschließende Sterne heben ein Wort hervor (*wort*), per _wort_ kann ein Wort unterstrichen werden.
Standard-Text Smilies wie :-) und ;-) werden zu Bildern konvertiert.

Um maschinelle und automatische Übertragung von Spamkommentaren zu verhindern, bitte die Zeichenfolge im dargestellten Bild in der Eingabemaske eintragen. Nur wenn die Zeichenfolge richtig eingegeben wurde, kann der Kommentar angenommen werden. Bitte beachten Sie, dass Ihr Browser Cookies unterstützen muss, um dieses Verfahren anzuwenden.
CAPTCHA

 
Kommentare werden erst nach redaktioneller Prüfung freigeschaltet!