[arno-und-krustyDeluxeCamping]


Arnos Eltern waren sichtlich unzufrieden, als sie hilflos mit ansehen mussten, wie wir wahllos Grill, Airbeds, Zeltutensilien, Klamotten und Einkäufe in meinen Golf packten, ohne dass wir Sie als erfahrene Caravanieri dabei um Rat gefragt hätten. Sie schienen sogar ernsthaft persönlich beleidigt.
Gut, ich hatte auch nicht erwartet, dass bei zwei Mann trotz umgeklappter Rückbank bis zur Decke gestopft werden musste, aber es passte eben trotzdem alles. Was zur Hölle sollte es uns ausmachen, dass man es objektiv "besser" hätte packen können?




Wir fuhren die Nacht durch, erreichten Prerow an der Ostseeküste am frühen Morgen und bekamen irgendwann auch mal unseren Zeltplatz in den Dünen zugewiesen. Den Aufbaufail vor Ort haben wir dank Generalprobe zuhause vermieden (“Arno…warum hängen die Abspannleinen eigentlich innen?”).


Es ist mir immer noch ein Rätsel, wie ich den ersten Urlaubstag mit einer Stunde Schlaf während der Autofahrt überstehen konnte. Die drei Mr.Brown Kaffees waren sicherlich hilfreich, wenn auch vermutlich nicht gesund. Zumindest aber besser als das Bier, mit dem der erfahrene Ostseecamper anscheinend üblicherweise bei morgendlicher Ankunft (7uhr!) aus dem Auto steigt.



Das Wetter, die Ostsee und der Campingplatz waren phänomenal. Nur mit der Mentalität der Mitcamper konnten wir uns nicht so recht arrangieren. Nach den ersten Tagen begannen wir, sie nach Gruppen zu kategorisieren (Jane Goodall comes to mind): 'alt und spießig', 'jung und dümmlich' und ganz schlimm: 'jung, dümmlich und laut'. Dazwischen gab es nicht viel. „krusty! Neue Nachbarn!“„Laut?“„Nee, ich glaub nur dumm.“

Amüsant war auch die Geschichte als wir im Strandcafe saßen. Ein Mittvierziger in Badeklamotten, der Unterlagen und Laptop auf seinem Tisch ausgebreitet hatte und ein scheinbar wichtiges Business-Telefonat führte, beteuerte seinem Gesprächspartner im lapidarst möglich klingendem Tonfall "Nein, nein, also der Stressfaktor hier ist verschwindend gering." Wir haben gelegen vor Lachen und er beendete das Gespräch dann recht zügig.



Arno und ich verstanden uns hingegen bestens. Bis auf die Momente natürlich in denen wir uns anzickten wie Paris Hilton und Alice Schwarzer beim Schamhaarfriseur. Eines Abends setzte sich eine ältere Nachbarin zu uns vors Zelt, weil wir ja immer "so witzig“ mit anzuhören seien. Und sie schien dann doch etwas enttäuscht, als wir im Gesprächsverlauf klarstellten, dass wir überhaupt nicht schwul und erst recht kein Pärchen sind...

Einen Regentag mit nächtlichem Gewitter galt es außerdem zu überstehen. Die Zeltnähte zeigten irgendwann altersbedingte Schwächen und gaben dem Wasser nach, woraufhin wir mit medizinischem Tape, Luftmatratzen und Regenjacken improvisierten. Ich verglich unser Werk am Ende mit einem Hippiecamp im Redneckvorgarten...


...und ich glaube, das war noch geschmeichelt.

Aber die Sonne und das Salzwasser hatten anscheinend merkwürdige Auswirkungen auf meine Körperfunktionen. Als ich auf der Promenade zwei vielleicht 15jährige Mädchen überholte, bemerkte die eine in schmachtendem Tonfall "hmmmmm...der Herr riecht nach Keksen..."
JA, genau DAS hat sie gesagt. Und sie meinte es positiv, wie sie mir auf meinen entgleisten WTF-Blick hin erklärte, sich sichtlich ertappt fühlend.
Trotz anfänglicher Faulheit habe ich es außerdem geschafft mich zum Joggen zu bewegen, und wurde belohnt mit der vielleicht schönsten Laufstrecke Deutschlands. Über den Bodden, Natur pur, phantastisch.

Die Rückreise traten wir einen Tag früher an als ursprünglich geplant (und bezahlt). Arnos Airbed (Deluxe Camping) hatte das Zeitliche gesegnet und er hätte dann im Auto geschlafen, es war erneut ein Gewitter angesagt und wir hätten am nächsten Tag bis 12 mittags weg sein müssen. Also packten wir gemütlich zusammen, stopften das Zelt in die Mülleimer und verpissten uns :-)

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Kommentare

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  1. der Henning schreibt:

    sehr cooler bericht...

    obwohl ich es nicht nett finde, dass ihr die ältere dame angelogen habt...


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