[demoDC #2]




Ich war da, Zockerkollegin Battlemetz hat mich begleitet, wir hatten Spaß.
Für euphorische Berichterstattungen verweise ich auf andere Autoren, zum Beispiel hier oder da. Ich sehe meine Aufgabe hier eher im konstruktiven Kritisieren ;-)
Dort und daneben gibt es noch mehr Bilder, anderswo auch ein nettes Kurzvideo.



Der Marsch durch die Fußgängerzone und Gässchen Karlsruhes zog in der Tat große Aufmerksamkeit auf sich und hat sicherlich sein Ziel nicht verfehlt.
Was andere Berichterstatter und Kommentatoren verschweigen ist allerdings die Tatsache, dass die beiden "Kundgebungen" mittendrin und am Ende der Demo jeweils völlig ab vom Schuss und somit quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfanden. GOTT SEI DANK, möchte ich bemerken.



Denn das, was die beiden 19jährigen Organisatoren zunächst als Hauptredner der Zwischenkundgebung so von sich gaben veranlasste mich dazu, erneut zu überprüfen, ob ich nicht vielleicht doch telepathische Fähigkeiten habe... ("Ohmmmm... unsere Gehirnströme gleichen sich an... ohmmmm... du kannst mich hören... ohmmmm... HALT DIE FRESSE JETZT!!")



"Ey Leute, ich hab ne Rede vorbereitet, aber hatte dann keine Zeit mehr. Ich zieh mir hier jetzt alles aus'm Arsch. Genau so wie wir uns die ganze Demo aus'm Arsch gezogen haben!" - Äääähm...ja...danke.



"Ich spiele seit 6 Jahren CS, hab also mit 13 angefangen, durfte ich eigentlich gar nicht. höhöhö." - Okaaayyy...
Und an dieser Stelle dachte ich echt, ich hätte das durch Olli Geißen definierte Maximum an Fremdscham erreicht, da ruft der Junge seine eigene Mutter auf die Bühne: "Es ist Zeit, dass Eltern Verantwortung für ihre Kinder übernehmen!!!" - omg. Fail!?



Egal, der Tross zog weiter, machte wieder Lärm und sang die Tetris-Melodie, bis wir an der Schwarzwaldhalle ankamen. Kleine Bühne in der hintersten Ecke des riesigen Vorplatzes. Kamen bei der ersten Kundgebung noch vereinzelt Spaziergänger vorbei, war man hier wirklich unter sich. Und das war wichtig, denn was jetzt noch kam unterbot alles.



Man musste eine halbe Stunde totschlagen, weil wir zu früh ankamen und es noch zu hell für das Programm mit Videobeamer war. Also stellte sich so ziemlich jeder Betreuer, der irgendwie an der Vorbereitung beteiligt war, gefühlte drei mal vor und erzählte "Anekdoten" von den Vorbereitungen und aus ihrem Gamerleben.



Der Abends näherte sich stetig seinem Tiefpunkt, als einer der Organisatoren die Komponenten seines PCs aufzählte. Und er war erreicht, als ein anderer Orga dann das Mikrophon übernahm und meinte, er müsse da nun "mit meinem Rechner dagegen halten..."


"Achtung, ich habe einen Gameboy. UND ICH WERDE IHN AUCH BENUTZEN!!"

Die Organisatoren hatten sich außerdem vorgenommen, keinen Politiker zu Wort kommen lassen zu wollen. Was natürlich sehr sinnvoll ist, wenn man für eine öffentliche Diskussion statt Diskriminierung demonstriert. Ausgerechnet ein Politiker, den man dann doch ans Mikrophon ließ, war es aber, der am Ende endlich mal einige klar formulierte Botschaften und den Spielern damit aus dem Herzen sprach, ohne sich dabei wie ein Pennäler während des ersten Vollrausches zu blamieren.

Und das war ausgerechnet der MdB Tauss, der im März diesen Jahres mit Kontakten zu Kinderpornographie Schlagzeilen machte.
Andere Leute meinen dazu "Hoffentlich wissen die Medien, das zu differenzieren."
Ich sag dazu nur "The Fuck, guys!? Seriously...the FUCK?!"


Eine Stadt mit eigener Deathmatch-Arena. "Oh the irony..."

Natürlich war das ganze Ding in 10 Tagen organisiert worden. Und natürlich musste einiges improvisiert werden. Und auch wenn ich furchtbar negativ klinge, das wichtigste ist, dass sowas überhaupt mal stattgefunden hat. Und dass wir Spaß hatten :-D

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Kommentare

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  1. Thomas R. schreibt:

    Lass doch den armen Herrn Tauss in Frieden, der hat durch diese Schmutzkampange schon Haus und Hof verloren.

    Ja, er hatte Kontakt zu einem Kinderporno-Ring, weil er selbst ermittelt hat und dabei die Grenze zwischen Abgeordnetem und Polizist übersehen hat. Er hätte sich da nicht einmischen dürfen. Aber das macht ihn doch nicht zu einem Pädophilen !

    Der mediale Angriff gegen Herrn Tauss liegt in seiner Opposition gegen Internetzensur begründet, die KiPo-Affäre ist jetzt nur ein Vorwand.

  2. krustyDC schreibt:

    Ich maße mir nicht an, entscheiden zu können, inwiefern Tauss als schuldig oder nicht schuldig einzustufen ist. Ich empfinde sowohl Anschuldigung als auch seine Verteidigung durchaus dubios und zwielichtig.

    Ich habe auch nichts gegen Herrn Tauss persönlich, ganz im Gegenteil. Ich finde seinen Standpunkt zu Internetzensur und "Killerspielen" sehr sympathisch und ich habe ihm auch eine ausgesprochen gut gehaltene Rede zugute gehalten.

    Wenn ich medial und gesellschaftlich aber ernstgenommen werden will, wäre es meiner Meinung nach taktisch klug, sich nicht von bereits umstrittenen Persönlichkeiten vertreten zu lassen.

    Das ist sicherlich sowohl bedauernswert für Herrn Tauss, als auch für das politische Lager, das er vertritt und das damit einen verdammt guten Fürsprecher verliert.


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