Wer mich kennt weiß, dass ich hin und wieder gerne unpopuläre Meinungen mit wakeliger Kenntnis der Fakten aber um so größerer Hingabe vertrete. Ich riskiere das mal wieder und freue mich auf eine ausufernde Kommentardiskussion...
Die Musikindustrie ist böse, denn sie möchte Geld verdienen mit einem beliebig vorhandenen Gut, nämlich Musikdateien. Piraten und P2P-Nutzer sind gut, denn sie vertreten die Meinung, dass nur Geld verdienen darf, wer auch tatsächlich etwas herstellt was man anfassen kann und Musik sowieso allen gehört, genau wie Luft und Wasser. Das ist abgefuckter Blödsinn. Musik ist ein Produkt. Dahinter stehen Kosten für Instrumente, Studios, Produzenten und böse Leute in Plattenfirmen, die auch noch was verdienen wollen. Nicht zu vergessen, die eigene Lebenszeit, die alle Beteiligten dabei investieren. Der bauernschlaue Konsument sagt nun
"Ich mag euer Produkt, aber ich mag nicht wie ihr es vertreibt. Solange ihr keinen Vertriebsweg gefunden habt, der mir gefällt, benutze ich euer Produkt unentgeltlich und steigere mich solange in eine bescheuerte Das-ist-kein-Diebstahl-weil-ich-es-nicht-anfassen-kann-Grundsatzdiskussion hinein bis ihr aufgebt."Das ist Erpressung. Und nur weil es viele machen und niemand so richtig juristisch durchblickt macht es das moralisch nicht vertretbar. Der einzige, der darüber zu entscheiden hat, wann, wo und wieviel er für sein Produkt verlangen will, beziehungsweise
muss, ist der Musiker selbst. Und auch wenn viele "verhinderte Konsumenten" das nicht einsehen wollen:
Der Musiker will Geld mit seiner Musik verdienen. Er ist nicht gezwungen zu einer Plattenfirma zu gehen, die neben seiner Vermarktung auch seine Rechtevertretung übernimmt.
Er wählt diesen Weg freiwillig, weil er sich dafür entschieden hat, dass seine Fans diesen Preis für seine Musik bezahlen sollen.
"Aber es gibt Musiker wie Ey Lou Flynn, die stellen ihre Musik kostenlos zu Verfügung, und nur wer möchte, bezahlt auch was dafür. Das ist fair und viel toller als das was die böse Musikindustrie macht!!" retourniert die Weichbrot-statt-Hirn-Fraktion. Natürlich gibt es Musiker, die sich für diesen Weg entschieden haben. Weil sie keinen Plattenvertrag bekommen, nicht massenmarkttauglich sind, aus reinem Idealismus oder wie im genannten Beispiel als Mund-zu-Mund-Experiment. Dann hört aber doch bitte auch einfach nur deren Musik. Nur weil ihr in der Kneipe kostenlose Postkarten mitnehmt klaut ihr doch auch keine beim Schreibwarenhändler. Unterschiedliche Produkte, unterschiedliche Vertriebswege, jeder Konsument darf für sich entscheiden ob er den verlangten Mehrwert akzeptiert oder eben nicht. Würde man dieses Modell auf den Massenmarkt übertragen ginge es den Großen sicherlich immer noch einigermaßen gut, den Kleineren allerdings ziemlich bescheiden. Musiker allgemein würden dann auch nicht mehr von Einkommen leben, sondern von Spenden. Manche besser, manche schlechter. Aber sie wären keine Produzenten mehr, die einen Beitrag leisten, sondern schlicht und ergreifend
Bettler.
"Auf meinen iPod passen 1,7 miliarden Songs, die kann ich doch auf gar keinen Fall alle kaufen. Ich muss sie ja klauen." Das ist mit das waghalsigste Argument, das ich jemals in derlei Diskussionen gehört habe. Ich verweise bei meinem nächsten Bankbesuch mit aufgezogener Sturmhaube und Waffe in der Hand auch einfach auf meine riesige Geldbörse. Oder aus einem anderen Blickwinkel betrachtet, nur weil der Konsument ein Produkt als entwertet betrachtet, macht es das noch lange nicht wertlos.

Im Grunde genommen sollte jedem von uns klar sein, dass eine Privatkopie hier und da eigentlich niemandem weh tut. Aber nur weil von Industrieseite panisch eine Null-Toleranz Grenze gefordert wird, eine Diskussion loszutreten in der einige Konsumenten mit unsäglicher Arroganz gegenüber Musikern und Produzenten auftreten, finde ich äußerst zweispältig.
Diese Diskussion ist zudem natürlich prinzipiell auf sämtliche digitalisierten Inhalte anwendbar.